FEM.POP

Roadmaps sind schnell erstellt, PolitikerInnen schütteln telegen Hände und bekräftigen 50:50, die Wichtigkeit von Frauen in Spitzenpositionen und prognostizieren Zahlen einer besseren Zukunft.
Ob diese von oben initiierten Meilensteine bei der Basis überhaupt ankommen, damit beschäftigt sich fem.pop in einer Langzeitstudie.

SR-Archiv österreichischer Popularmusik (SRA) wertet dabei in Echtzeit seine Archivdaten aus und stellt österreichischen Musikerinnen und Mitarbeiterinnen der Musikindustrie folgende Fragen: Wie ist die Situation? Ist die Geschlechterverteilung fair? Was sagt Ihr selbst dazu?

SRA hat mit Mitteln des KUPF Innovationstopf 2012 zum Thema „Gläserner Boden“ (innovationstopf.at) seine über zwei Jahrzehnte aufgebaute Datenbank über die österreichische Musikszene analysiert, Interviews geführt und Informationen zusammengetragen, um einen Einblick in die Geschlechterverteilung in der populären österreichischen Musik zu ermöglichen. Hier präsentieren wir die ersten Ergebnisse!

Wir rufen Dich, in Österreich tätige Musikerin oder Branchentätige auf, uns laufend Daten und Werke deines Schaffens zu schicken, damit fem.pop zu einem gewichtigen Tool wird, mit dem Du leicht Argumente basierend auf exakten, aktuellen, statistischen Daten in einen gesellschaftlichen und politischen Diskurs einbringen kannst.

fem.pop ist work in progress und wird von SR - Archiv österreichischer Popularmusik betreut. Kritik, Mitarbeit und Medien (Tonträger, Fotos, Videos, ...) aller Art sind dringend gewünscht. Tune in!

MusikerInnen in der Datenbank

Es gibt auch die Möglichkeit, direkt die Einträge unserer Datenbank nach Geschlecht, Bundesland und Instrument zu durchsuchen.

Die Zahlen in Klammer neben den Bundesländern sind die Gesamtenzahlen aller MusikerInnen aus dem jeweiligen Bundesland. Bei den Instrumenten betreffen die Zahlenangaben alle Einträge im Archiv. Wir haben zum Beispiel 9768 Stimmen (SängerInnen) erfasst, davon sind 1401 Frauen.

Bundesland Geschlecht Instrument

Verteilung

Die harten Zahlen: Wie sieht die Geschlechterverteilung in der SRA-Datenbank aus?

Verhältnis Musikerinnen und Musiker in Österreich:

Verhältnis Musikerinnen und Musiker in Oberösterreich:

Liste der Oberösterreichischen Musikerinnen.

Bandzusammensetzung

Wie ist die Verteilung der Geschlechter innerhalb der Bands?

Je heller die Zelle, desto mehr Bands mit dieser Zusammenstellung finden sich in der SRA Datenbank. Wäre die Verteilung gleich, sollte das Raster gespiegelt sein um die Diagonale von links unten nach rechts oben. Wenn Sie die Zellen anklicken bekommen sie eine Aufstellung der Bands in der jeweiligen Zusammenstellung. Klicken Sie dann noch auf den Bandnamen, dann bekommen Sie alle Details zur Band, deren Mitgliedern und Aktivitäten direkt aus der SRA-Datenbank.

 

Wie man sieht, haben die meisten Bands gar kein weibliches Bandmitglied. Wenn eine Frau in der Band ist, handelt es sich dabei in der Regel um eine Sängerin, wie die nachfolgende Statistik über die beliebtesten Instrumente zeigt.

Mehr als eine Frau in der Band zu haben, hat eindeutig Seltenheitswert.

Bemerkenswert ist auch, dass es mehr Bands mit 5 Männern gibt, als die populärste Bandform - die Ein-Personen-Band - auf der weiblichen Seite.

Tonträger nach Jahren

In welchen Jahren waren wieviele Frauen als Musikerinnen an der Erstellung eines Tonträgers in Oberösterreich beteiligt?

Deutlich zu erkennen ist der Peak rund um die Jahrtausendwende. Die Zahl aus dem Jahr 2013 ist eine vorläufige.

Zum Vergleich der Graph für Gesamt-Österreich (incl. OÖ - man beachte, dass er 8 Jahre früher beginnt).

Jobs

Wie sieht die Verteilung bei den übrigen Jobs in der Musikindustrie aus?

Diese Grafik zeigt ein detailliertes Bild über die Geschlechterverteilung in diversen Tätigkeitsfeldern der Musikindustrie. Wenn Sie auf das Gendersymbol ♀ klicken, dann erhalten Sie eine Listen mit alle Frauen aus dieser Musikbranche.

Bemerkenswert ist hier, dass es Bereiche gibt, in denen der Frauenanteil deutlich über der Gesamtquote liegt, wie Booking/Management, Promotion, sowie Fotografie, während andere Domänen fast ausschließlich männlich besetzt sind, etwa das Betreiben eines Tonstudios.

Die Ergebnisse, die auf einer sehr kleinen Anzahl an Personen beruhen, sind allerdings wenig aussagekräftig. Die Datenunschärfe in diesem Auswertungssegment hängt auch damit zusammen, dass nur auf wenigen Tonträgern detailierte Informationen zu finden sind.

Instrumente

Welche Instrumente sind bei Musikerinnern am beliebtesten?

Anmerkung: der Übersichtlichkeit halber werden nur Instrumente angezeigt, welche von mindestens 10 Musikerinnen gespielt werden.

Auffallend ist hier der überproportional hohe Anteil an Sängerinnen im Vergleich zum Anteil in der Gesamtmenge der Musiker und Musikerinnen. Nicht jede Sängerin ist aber auch eine Frontfrau, denn auch Background-SängerInnen werden in dieser Rubrik archiviert.

Klicken Sie auf die pinken Zahlen, dann erhalten Sie eine Liste mit den Musikerinnen.

Zu einem Instrument greifen Frauen offenbar seltener als ihre männlichen Kollegen.

Genres

In welchen Musikgenres sind Frauen am aktivsten?

Interviews

Interviews mit den Musikerinnen

Alle Interviews wurden/werden mit einem ähnlichen Fragenkatalog geführt, wo es nicht ausschließlich um die künstlerischen Belange der Musikerinnen geht, sondern besonders um soziale Fragen rund um das Musik machen.

Angeregt vom Vortrag "Frauen sprechen weltweit immer auch Prosa" von Claudia Schmölders im Rahmen des 3. Hörstadt-Symposion 2012 "Weltempfänger - Die Globalisierung des Hörens" stellen wir diese Interviews nicht nur mittels Zeichen in Textform dar, sondern auch mit Stimme hörbar.

Karin Fisslthaler
Karin Fisslthaler
Gabriele Kepplinger
Gabriele Kepplinger
Sabine Edelsbacher
Sabine Edelsbacher
Vera Böhnisch
Vera Böhnisch
Sophie Schmidauer
Sophie Schmidauer
Kristina Pia Hofer
Kristina Pia Hofer
Patricia Breiteck
Patricia Breiteck