Interview mit Vera Böhnisch

Foto © Mato Johannik

Wann hast du das erste Mal bewusst Musik wahrgenommen?

Meine Eltern waren ziemliche Platten bzw. mein Vater sogar noch Schellack-Nerds. Wir hatten viele Motown, Soul Platten zuhause. Es gab aber auch eine sehr prägende Beach Boys Phase, an die ich mich dunkel erinnere.

Wie bist du zur Musik gekommen?

Meine Großmutter, bei der ich sehr viel Zeit in der jüngsten Kindheit verbracht habe, hat wirklich ständig mit mir gesungen. Simultan zum Sprechen hat sie schon angefangen mir Kinderlieder beizubringen und ich hab Singen einfach von Anfang an geliebt. Meine jüngste Erinnerung hab ich an das Lied "Weißt du wieviel Sternlein stehen". Die ist aber sehr undeutlich, weil ich da erst ca. eineinhalb Jahre alt war. :)

 

Wurdest du von deinen Eltern für Musik begeistert?

Mein Vater konnte mit ausübender Musik nie besonders viel anfangen und es war im relativ gleichgültig.

Meine Mutter fand es schön und hat uns immer in unseren Hobbys und Interessen bestärkt. (Was ja manchmal wirklich in ziemlich dichte Fahrtendienste ausartete bei zwei Kindern) Sie war auch eine sehr gute Klavierspielerin und hat uns, als wir klein waren, am Orff Institut angemeldet.

In der Volksschule bin ich dann selbstständig in den Chor und in das Freifach Spielmusik gegangen. Zu der Zeit begann auch mein Klavierunterricht in einer Landesmusikschule.

Bist du gerne in den Musikunterricht gegangen oder nicht?

In Chor und in Spielmusik bin ich sehr gerne gegangen. Bei den Klavierstunden war es tagesabhängig, ob ich die Stücke mochte oder ob draußen schönes Wetter war.

Konntest du dir dein Instrument selbst aussuchen?

Ja. Zuerst wollte ich unbedingt Kontrabass oder  Cello lernen, hatte aber mit 6 einfach zu kleine Hände.

Meine nächste Wahl war Klavier und das ist es dann auch geworden.

Konntest du dich auch selbst entfalten?

Als ich ein bisschen älter war, wurde das Klavierrepertoire jazziger und poppiger und mein persönlicher Fokus lag immer mehr auch auf dem Singen.

Wie hast du dein Instrument gefunden oder hat es sich gefunden?

Mein wirkliches Instrument ist meine Stimme und die hat mich schon von klein auf gefunden. Mir war nur lange nicht klar, dass es mehr gibt, als einfach drauf los zu singen.

Hast du dann abseits der Familie eine weitere Musikausbildung vorgenommen?

Im Gymnasium ging es dann weiter mit der obligatorischen Schulband, einem weiteren Chor und einer Art Musical Theater Ausbildung für Kinder, die ich von 10 an in Linz absolviert habe. Hierbei hat mir besonders imponiert, dass Tanz und Gesang kombiniert wurden und es endlich auch "richtige" Auftritte gab.

Wurdest du von deinen Eltern unterstützt?

Meine Eltern haben eigentlich immer all unsere Ideen, soweit sie nicht komplett schwachsinnig waren, unterstützt. Ich brauchte jedoch nicht besonders viel Unterstützung. Mein Bestreben Musik zu machen bzw. auch aufzutreten, war ziemlich stark und oft hab ich das gemacht, ohne groß mit meinen Eltern darüber zu sprechen.

Wurdest du von deinem Umfeld unterstützt?

Es gab Freunde, die fanden es cool, dass ich eigeninitiativ und ziemlich motiviert an die Sache ranging. Andere machten sich lustig und meinten, das wird sowieso nix. Es gab Phasen, da hat mich das ziemlich traurig gemacht – vor allem, als es eine Zeit lang "uncool" war, Hobbys zu verfolgen. Gott sei Dank hab ich mich nicht besonders davon beeindrucken lassen.

Wie hast du dir das Musikmachen beigebracht?

Ich habe mich einfach viel damit beschäftigt. Meine Tagesabläufe drehten sich um Musik, meine Hobbys und schließlich irgendwann so mit 12 begann ich dann eigene Songs zu schreiben, weil es mich genervt hat, immer etwas nachzusingen.

Wie hast du dein Instrument gefunden?

Es war eigentlich immer schon da.

Hast du dann eine weitere Musikausbildung vorgenommen?

Mit ca. 15 hab ich begonnen, unregelmäßig Gesangsworkshops und Stunden zu besuchen, weil ich einfach gemerkt hab, man muss sein Instrument verstehen, um es optimal zu beherrschen.

Das war nicht unbedingt immer lustig, weil ich sehr intuitiv ohne Rahmen oder viele Noten an die Sache rangegangen bin. Aber mir war klar, dass zumindest ein Grundwissen nicht schaden kann.

Mit 16 hab ich dann auf das Popularmusikgymnasium Linz gewechselt, wo ich neben den normalen Maturafächern auch in Musiktheorie, Gesang und Musikelektronik maturiert habe.

Das war mit Sicherheit eine super Grundlage, um einfach ein bisschen Theorie und Struktur in die Sache reinzubringen. Ich kann diese Schule nur jedem Musikinteressierten Oberösterreicher empfehlen!

Wurdest du von deinen Eltern zur Musik "genötigt"?

Nein. Niemals.

Die einzige Regel in unserer Familie lautete: einmal angefangen, ziehen wir es auch durch. Das galt jedoch für Sport genauso wie für Pfadfinder oder eben Musikunterricht. Und jedes Kind – vor allem in jungen Jahren – hat mal Lust zum Unterricht zu gehen und mal wär’s lustiger zu Hause zu spielen. Und üben ist sowieso so eine Sache. Das hab ich bis auf Bandproben sowieso nie besonders gerne gemacht ;)

Ab wann hast du an Auftritte gedacht?

Schon immer. Ich erinnere mich an meine erste Ballettaufführung mit 5. "Lion King" irgendwo rund um den Attersee, wo ich es ziemlich schade fand, dass man das Lied, zu dem wir tanzten, nicht auch singen kann.

Welche(s) Instrument(e) spielst du Solo / Bands?

Klavier (eigentlich nur zum Songwriten, auf der Bühne so gut wie nie) und natürlich Gesang

Band oder Solo?

Band UND Solo! Ich beschränke mich nicht auf eine fixe Band, ein fixes Projekt etc. Ich arbeite mit vielen verschiedenen Künstlern, Kombos, als Gastsängerin bei verschiedensten Projekten, als Co-Songwriterin im Hintergrund und natürlich schreibe ich meine eigenen Songs.

Wieso Solo?

Weil manchmal nur ich das höre, was in meinem Kopf spielt und auch nur ich das zu 100% so wiedergeben kann.

Was willst du als Solokünstlerin erreichen?

Mich ausdrücken, ausgeglichen sein, mit manchen Dingen gehört werden.

Gibt es lose Kooperationen?

Es gibt tausende Kooperationen, mit Songwritern, mit meiner Band mit der ich die letzten Alben produziert habe, mit Verlagen, mit DJ's etc.

Komponierst und textest du?

Ja und Ja!

Hast du nach einem eigenen Sound gesucht?

Nein, ich hab noch nie danach gesucht. Er verändert sich ja auch laufend. Der Sound ist ein Spiegel deiner momentanen Lebenslage und wird von vielen Dingen beeinflusst. Ich finde es schön, relativ „bauchgesteuert“ ans Songwriten ranzugehen.

Hast du schon Tonträger veröffentlicht?

Ja. Sowohl im Eigenvertrieb, über Verlage & Editionen, über ein Major Label sowie mehrere Indie-Labels.

Wie oft spielst du live?

Momentan spiel ich karenzbedingt sehr wenig. Ansonsten so ca. drei bis vier Mal im Monat.

Wie wirst du als Frau von den Veranstaltern behandelt?

Ich hatte eigentlich noch nie wirkliche Probleme. Wenn es Troubles gibt, dann sind das meist keine genderspezifischen Probleme, sondern einfach welche, die sonst auch auftreten würden.

Wie wirst du vom Publikum behandelt?

Meist gut. Ausreißer gibt es immer – vor allem bei Großveranstaltungen und Festivals. Da fliegt schon mal ein Becher, was aber meist keinen persönlichen Hintergrund hat, sondern einfach passiert.

Was hat dich an Bands angezogen?

Einfach Teil eines Ganzen zu sein. Es macht Spaß mit verschiedenen Musikern an etwas Großem zu basteln. Die vielen Einflüsse bringen oft unverhoffte Wendungen.

Ab wolltest du in einer Band sein?

Ab ca. 10.

Hast du die Band mitbegründet?

Es war die Schulband, aber wir haben Sie damals natürlich "neu mitbegründet".

Wie ist es so für Frauen in Bands?

Ich hatte es immer lustig, wenn auch in späteren Jahren oft viel Organisatorisches beim "Mädchen" hängen bleibt. ;)

Durftest du am Band-Konzept mitarbeiten?

Ja.

Durftest du am Band-Sound mitgestalten?

Ja.

Du arbeitest in Oberösterreich?

Ich arbeite AUCH in Oberösterreich oder besser auch zukünftig wieder mehr in Oberösterreich.

Warum bist du aus Oberösterreich abgewandert?

Es hat sich mit 16 so ergeben, dass ich einfach Chancen hatte, die es nur in Wien zu ergreifen gab. Dort sitzt die (eh schon minimal kleine) Major-Industrie und dort sitzen die großen Radio- und Fernsehstationen.

Außerdem war es natürlich so richtig spannend, mit 16 da schon reinzuschnuppern!

Ist/war das kulturelle Umfeld ein Grund zu gehen?

Es war damals so, dass es sich danach angefühlt hat, dass man in Wien sein müsste, um musikalisch was zu reißen. Ist das heute immer noch so?! In Zeiten von „Do-it-yourself-Projekten“ und dem Internet kann eigentlich jeder vor jedem kulturellen Hintergrund arbeiten.

Generell gibt es in OÖ viel Musik und viele Musikinteressierte.

Gab es Unterstützung für deine Vorhaben oder Hindernisse?

Meine Eltern waren nicht besonders begeistert, dass die 16 jährige Tochter jetzt nach Wien gehen will, um einen Plattenvertrag zu unterschreiben.

Ich war jedoch sehr vehement und habe mit ihnen einen Deal ausgehandelt.

Ich garantierte ihnen, dass ich trotzdem normal in der Zeit maturiere, dafür unterstützen sie mich und lassen mich neben der Schule in der Musikbranche arbeiten.

Kein schlechter Deal. Für mich hat er geklappt!

Vielen Dank für das Interview!

Vera Böhnisch auf SRA

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